Mittwoch, 11. Januar 2017

Vortrag: Strategien der Pharmaindustrie - Werbung und Manipulation

Von Lukas Böhnlein
ursprünglich Veröffentlich am 21.01.2013 bei Regensburg Digital


„Pharmaunternehmen und ihre Werbestrategien“: Eigentlich ein spannendes Vortragsthema. Leider blieben einige Punkte dabei außen vor.

David Klemperer spricht über Pharmaunternehmen und ihre Werbestrategien, Foto: Lukas Böhnlein


Das Image der Ärzte – ja des ganzen Gesundheitssystems – ist nicht besonders gut. Der Organspendenskandal im letzten Jahr dürfte das Vertrauen auch nicht unbedingt verbessert haben. Einer der Ärzte, der in den Skandal verwickelt ist, arbeitete jahrelang am Regensburger Uniklinikum. Auch der Einfluss der Pharmalobby auf Mediziner trägt zum Misstrauen gegenüber Ärzten und Medizinern bei. Die Lokalgruppe der IPPNW in Regensburg (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) lud im Januar 2013 ins Uniklinikum Regensburg zu einem Vortrag mit dem Thema „Pharmaunternehmen und ihre Werbestrategien – Wie erfolgreich sie sind und wie man sich vor ihnen schützen kann“. Der Referent Prof. Dr. David Klemperer ist Professor für medizinische Grundlagen der Sozialen Arbeit, Sozialmedizin und Public Health an der Hochschule Regensburg.

Keine „Pharmamafia“

Warum beeinflussen Pharmaunternehmen die Ärzte? Die Antwort ist einfach: Unternehmen der Pharmaindustrie verfolgen wie jede andere Industrie wirtschaftliche Ziele und wollen ihren Umsatz steigern. Die weltweiten Umsätze der Pharmabranche haben sich von 503 Milliarden US-Dollar im Jahr 2003 auf 956 Milliarden im Jahr 2011 fast verdoppelt. Um solche Umsätze möglich zu machen ist es notwendig, dass die Ärzte teure Medikamente statt gleichwertiger günstiger Alternativen verschreiben. Wie bringt man sie dazu? Klemperer spricht nicht von einer „Pharmamafia“ und vermutet auch keine Verschwörung dahinter. Der Referent spricht von „falschem Wissen“, durch das die Mediziner beeinflusst werden. Etwa durch selektive Veröffentlichung von Studien. Laut einem Artikel des New England Journal of Medicine wurden Studien mit negativem Ergebnis für ein Antidepressiva deutlich seltener veröffentlicht als solche mit positivem Ergebnis. Eine weitere Methode ist es, die ursprünglichen Ziele einer Studie nachträglich zu verändern: Bei einem negativen Ergebnis werden einzelne positive Punkte herausgepickt, nach denen ursprünglich gar nicht gefragt war. Dadurch können Medikamente oder Therapiemethoden, die weniger Wirkung zeigen als Konkurrenzprodukte oder starke Nebenwirkungen haben, trotzdem in bestimmten Punkten besser abschneiden.

Jeder ist beeinflussbar

Wie mehrere Menschen bei gleichen Fakten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können demonstriert Klemperer eindrucksvoll mit einem Bild des Psychologen Joseph Jastrow, dass je nach Betrachtungsweise entweder eine Ente oder einen Hasen darstellt. Wer denke, er sei nicht beeinflussbar liege falsch und sei sogar noch anfälliger gegenüber Manipulationsversuchen, sagt Klemperer. „Das hat nichts mit Intelligenz zu tun.“ Allein das freundliche Auftreten eines Vertreters oder materiell wertlose Geschenke können eine erstaunliche Wirkung haben. Einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 zufolge hatte allein das Logo von Lipitor® auf einem Schreibblock einen Einfluss auf die Bewertung des Medikaments durch Ärzte. Aber es gibt nicht nur wertlose Schreibblocks: Die Pharmaunternehmen laden Ärzte auch gerne mal zu luxuriösen „Fortbildungsmaßnahmen“ – selbstverständlich allein zum Zweck der Weiterbildung.


Foto: Lukas Böhnlein


Ärzte und Wissenschaftler bewegen sich im Konfliktfeld zwischen primären Interesse – den Patienten bestmöglich zu heilen bzw. eine valide und nützliche Forschung zu betreiben – und dem sekundären Interesse, Karriere zu machen, Anerkennung, Honorare oder Geschenke zu bekommen. Klemperer versuchte mögliche Gegenmaßnahmen gegen den großen Einfluss der Pharmaindustrie aufzuzeigen. Der erste Schritt sollte die Offenlegung der eigenen Interessenkonflikte sein, was der Referent auch beispielhaft am Anfang seines Vortrages mit einer Powerpoint Folie machte, auf der seine verschiedenen Tätigkeiten aufgelistet waren, von denen er finanziell profitiert. So werde die Illusion abgelegt, man sei nicht beeinflussbar. Viele Interessenkonflikte könnten vermieden werden, wenn man auf gesponserte Fortbildungen und Kongresse und auf Geschenke verzichte. Sich als Mediziner mit Häppchen von Unternehmen füttern zu lassen, betrachtet Klemperer als peinlich. Studien sollten nach Möglichkeit öffentlich finanziert werden, um so neutral wie möglich zu sein. Klemperer schlägt Ärzten vor, sich aus unabhängigen Quellen über neue Medikamente zu informieren, nicht beim Marketing der Industrie „mitzuspielen“ und die Werbesprache zu reflektieren. Die Industrie solle man auch entsprechend kritisieren, „wenn sie es verdient hat“.

Bestechung von Ärzten ist in Deutschland nicht verboten

Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf die rechtliche Situation in Deutschland: In § 32 der Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte heißt es: „Ärztinnen und Ärzten ist es nicht gestattet, von Patientinnen und Patienten oder Anderen Geschenke oder andere Vorteile (…) anzunehmen, wenn hierdurch der Eindruck erweckt wird, dass die Unabhängigkeit der ärztlichen Entscheidung beeinflusst wird (…).“ Ein Arzt darf sich also bestechen lassen, solange nicht der Anschein erweckt wird, dass er bestochen wurde. Eine eindeutige Regelung sieht anders aus. Erst am Donnerstag forderte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr schärfere Gesetze gegen Korruption bei Ärzten. Bislang gibt es aber viele legale Möglichkeiten für Pharmalobbyisten, Einfluss auf Mediziner zu nehmen.

Viele Themen blieben außen vor

Leider war der Vortrag trotz anderslautender Ankündigung wohl eher an Medizinier als an interessierte Laien gerichtet. Auch blieben Bereiche, die durchaus einer näheren Betrachtung bedurft hätten, außen vor. Etwa wie die Pharmalobby Einfluss auf die Politik, Gesetzesvorhaben und -änderungen nimmt. Oder wie Patienten umworben und beeinflusst werden. Zum Beispiel wie DHU, Heel oder Weleda, namhafte Hersteller von Homöopathie, den Journalisten Claus Fritzsche finanzierten, um Gegner der Homöopathie zu diskreditieren. Ein Problem sahen die Unternehmen der sogenannten „sanften Medizin“ und auch Fritzsche darin übrigens nicht. Dabei wäre das Thema des Vortrages sicher auch für Laien – Patienten – interessant – nicht nur, weil alle gut behandelt werden möchten, wenn sie krank sind, sondern weil sich jeder darüber bewusst werden sollte, wie leicht man beeinflussbar sein kann und mit welchen Mitteln dies geschieht. Auch ist es kein „Privileg“ der Pharmaindustrie, mit allen Mitteln zu versuchen, höhere Umsätze zu machen. Aber das ist ein anderes Thema.

Montag, 26. Dezember 2016

Rezension: Schwarzbuch Esoterik von Ursula Caberta

Überarbeitete Rezension (Ursprünglich veröffentlicht am 15.11.2011)

Die Kirchen verlieren immer mehr Mitglieder, aber auch innerhalb der Religionen spielen die Glaubensinhalte für Viele keine bedeutende Rolle mehr. Dieser Trend ist sicherlich auch der wissenschaftlichen Aufklärung in den letzten Jahrhunderten zu verdanken. Seltsamerweise entstehen aber seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts immer wieder esoterische und neue religiöse Gruppen, die sich auf unterschiedliche Gurus und Scharlatane berufen. Solche sogenannten Sekten sind zwar in der öffentlichen Wahrnehmung meist unbedeutend, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht in unserer Gesellschaft präsent wären. Die Gedanken sind oft weit über die eigentlichen Anhänger hinaus verbreitet und richten mit ihren irrationalen Behauptungen "ganzheitlichen" gesellschaftlichen Schaden an.

Schwarzbuch Esoterik
Mit verschiedenen esoterischen und auch christlich angehauchten Erscheinungsformen, besonders der letzten 20 Jahre, befasst sich das Schwarzbuch Esoterik von Ursula Caberta, welches bereits 2011 erschienen ist. Caberta beschreibt darin den Esoterik Markt, mit einem Jahresumsatz von rund zwanzig Milliarden Euro allein in Deutschland, wobei nicht ganz deutlich wird, welche Umsätze genau in dieser Summe zusammengefasst wurden.

Im Buch sind vor allem solche esoterische Gruppen oder Sekten beschrieben, die eine konkrete Gefahr für Menschen darstellen. Die harmloseren Folgen sind meist finanzielle Nachteile für die Opfer von selbsternannten Gurus und Heilern. Einige esoterische Praktiken können aber auch tödlich sein: Unwirksamer Heilmethoden, systematische Vergewaltigung von Kindern und sogar Mord.
Angesichts solcher im Buch ausführlich behandelter Fakten wird wohl jeder zugeben müssen, dass es sich dabei um gefährliche Gruppen handelt. Wie sieht es aber mit besprochenen Steinen, mit Kartenlegen oder ähnlichem aus? Das scheint ja auf den ersten Blick harmlos zu sein. Hier stellt die Autorin richtig fest, dass es sich dabei oft nur um den Einstieg in eine Abhängigkeit handelt. Viele Menschen sind auf der Suche nach Spiritualität, Gesundheit oder persönlichem Glück und probieren deshalb immer wieder neue Wundermittel aus. Oft geraten suchende Menschen dadurch in die Fänge von Gurus mit angeblichen übernatürlichen Fähigkeiten. Oft genug werden den Opfern dann zunächst Krankheiten eingeredet, die es dann wieder wegzuheilen gilt. Durch psychischen Druck und Gruppenzwang werden die Anhänger an die Gruppe gebunden, so dass diese irgendwann nicht mehr aus dem Leben wegzudenken ist. Der Guru kann seine Anhänger dann nach seinem belieben manipulieren. Nur wenige schaffen dann noch einen Ausstieg. Die Autorin betont, dass vor allem Kinder leiden müssten, wenn die Eltern das Schicksal der Familie in die Hände eines esoterischen Führers geben.

Im Buch werden auch esoterische Richtungen thematisiert, die es zur Anerkennung in der Mitte der Gesellschaft geschafft haben: New Age, Astro TV, Yoga oder die Anthroposophie. Caberta kritisiert Prominente, die öffentlich für esoterische Produkte oder Gedanken werben. Auch auf Rassismus in der Esoterik in verschiedene Ausprägungen der sogenannten braunen Esoterik geht Caberta im Buch ein.

Caberta fordert auch eine stärkere Trennung von Staat und Kirche, da die Kirchen sich zu sehr in die Sekten-Diskussion einmischten.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen von Esoterik werden im Buch leider nur am Rande behandelt. So weckt das Buch zwar Mitleid mit Opfern von Sekten und Zorn gegen die Täter, schafft es aber nur ansatzweise die Gefahren für die Allgemeinheit klar zu machen. Wenn sich esoterische Gedanken, Verschwörungstheorien und zweifelhafte Heilmethoden verbreiten, steht dies einer kritischen reflektierten Haltung und rationalem Denken im Wege. Irrationale Erklärungen schaden deshalb einer demokratischen Gesellschaft. Esoterik lässt sich leicht dazu verwenden Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung zu begründen. Auch die Nationalsozialisten nutzten zur Begründung ihrer Rassenpolitik teilweise esoterische und verschwörungstheoretische Argumente.

In Bezug auf Vergewaltigungen von Kindern durch esoterische Gurus fordert Caberta härtere Strafen für Sexualverbrecher und die Veröffentlichung der Adressen von Straftätern nach einer Haftstrafe. Dies ist meiner Meinung nach eine Entgleisung des ansonsten lesenswerten Buches, denn Ziel eines kritischen Umganges mit der Esoterik darf es nicht sein Selbstjustiz zu fördern.

Das Buch stellt gut die gegenwärtige Esoterik Szene dar, hätte aber in einigen Punkten weiter gehen können.

Ursula Caberta
Schwarzbuch Esoterik
ISBN: 978-3-579-06743-8
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Montag, 19. November 2012

Bitte sachlich bleiben!

Obwohl einige unfertige Artikel darauf warten hier veröffentlicht zu werden, schreibe ich heute aus aktuellem Anlass über etwas anderes.

In den letzten Monaten habe ich ja in einigen Artikeln Kritik an der Freien Schule Albris geübt. Ich war allerdings nicht der einzige. Viele interne Informationen über die Schule wurden über die Website Albris-Leaks veröffentlicht. Auch wenn ich in vielen Punkten anderer Meinung als die Betreiber der Seite bin, war ich der Meinung, dass die Veröffentlichten Dokumente zu einer besseren Aufklärung beitragen könnten. Die Meinungsverschiedenheiten erstreckten sich bisher vor allem auf die anthroposophische Ausrichtung von Albris-Leaks und die Veröffentlichung persönlicher Daten. Heute wurde jedoch auf der Seite ein offener Brief an den Schulgründer Sigurd Böhm veröffentlicht, dessen Inhalt leider bestätigt, dass die Freie Schule Albris recht hat, wenn sie von einer 'Hetzkampagne' spricht.

Ich möchte mich an dieser Stelle für eine sachliche Auseinandersetzung aussprechen. Ich denke das haben beide Seiten Notwendig! Die Freie Schule Albris ist wahrscheinlich auch zu einem gewissen Teil mitschuld, durch ihren Umgang mit Kritik, dass sie mit solchen Anfeindungen konfrontiert wird. Aber als Kritiker sollte man sich da nicht provozieren und auf deren Niveau herunterziehen lassen. Ich nehme mich da aber auch nicht aus, auch ich habe teilweise sehr polemisch und unsachlich geschrieben.

Von der Website Albris-Leaks möchte ich mich hiermit distanzieren. Die Links auf die Seite habe ich entfernt.




Donnerstag, 27. September 2012

Roma - Amor

Nach einiger Zeit der Untätigkeit möchte ich hier nun die Reihe der Hefte aus der Freien Schule Albris (Früher: Freie Waldorfschule Kempten) fortsetzen. Dieses Geschichtsheft aus der 6. und 7. Klasse knüpft inhaltlich direkt an das aus der 5. Klasse an. Es geht hierin um Griechenland un Rom. Auch in diesem Heft wird Wahrheit und Märchen vermischt, ohne eine klare Trennung zu vollziehen.

Die römische Wölfin


Hier das Heft als PDF:

Geschichte: 6. und 7. Klasse, Freie Waldorfschule Kempten



Weitere Dokumente aus dem Unterricht an der heutigen Freien Schule Albris

Donnerstag, 9. August 2012

"Es ist die Rede von kleinen Teilchen" - aber nicht im Physikheft der freien Schule Albris

Hier nun mal ein Schulheft aus einer höheren Klasse. In diesem Physik-Epochenheft von der damaligen Freien Waldorfschule Kempten geht es um Elektrizität. Es beinhaltet viele Beschreibungen von Versuchen und versucht nicht, die Phänomene zu erklären.

Physik: 11. Klasse, Freie Waldorfschule Kempten

Hier ist weniger Esoterische Märchenstunde angesagt, als bei den beiden letzten Heften. Allerdings wird das Thema Elektronen bewusst ausgelassen. Im Anhang findet sich sogar eine Gegenüberstellung mit einem Schulbuch für die Mittlere Reife. Ebenfalls im Anhang ist ein Test, den wir am Ende der Physikepoche geschrieben haben. Darauf gab es keine Noten, aber ein Angabe, wie viel Prozent man erreicht hat. Da ist der Unterschied zum Notensystem doch nur noch Prinzipienreiterei. Nicht dass ich Noten prinzipiell schlecht finde, aber die Waldorfschulen stellen das ja gerne als Vorteil dar, dass es dort keine Noten gibt.

Die Texte sind zwar zum größten Teil von mir selbst formuliert, stellen deshalb aber nicht unbedingt meine Meinung dar, da es eine Wiedergabe des Unterrichts sein soll. Der Lehrer merkt am Ende des Hefte an, dass ich manches zu vereinfacht dargestellt habe und Zeichnungen fehlen. D.h. es kann teilweise an mir liegen, dass manches nicht so genau dargestellt ist.


Weitere Dokumente aus dem Unterricht an der heutigen Freien Schule Albris


"Dieses große Rätsel, das nennen wir VERDAUUNG"

Heute möchte ich das zweite Heft aus meiner Zeit an der Freien Waldorfschule Kempten online stellen. Diesmal ist es ein Heft aus der 7. Klasse im Fach Menschenkunde. Es geht darin hauptsächlich um Ernährung. Im Kapitel Die Geschichte unserer Ernährung tauchen wieder die Kulturepochen auf, die bereits im Geschichtsheft in der 5. Klasse Thema waren.

Menschenkunde: 7. Klasse, Freie Waldorfschule Kempten

Kurzzusammenfassung:


Ich werde den Inhalt der Hefte in Zukunft doch kurz zusammenfassen, da wahrscheinlich nicht jeder soviel Zeit hat alles selbst zu lesen. Diese Zusammenfassungen sollen aber nur der groben Einordnung dienen. Im folgenden nun also die einzelnen Kapitel mit jeweils einer kurzen Zusammenfassung:

"Ich schaue in die Welt..."
(Morgenspruch von Rudolf Steiner)

Der Dreifache Strom der Ernährung
Mit dem Wort "Ich" können nur wir uns bezeichnen und wir grenzen uns mit dem Wort und auch mit den Sinnen, der Atmung und der Nahrung von unserer Umwelt ab.

Die Grundlagen unserer Ernährung
Wir essen tierische, mineralische und vor allem pflanzliche Nahrung.

Die Grundlage unserer Nahrung
In blumiger Sprache werden Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette und Vitamine erklärt. Zitat "Die Lebenskraft lässt sich [durch die Vitamine] nicht fassen oder wiegen. Sie bleibt das Rätsel der Pflanze."

Die Verdauung
Die Verdauung ist wie die "Erweiterung der Küche". "Dieses große Rätsel, das nennen wir VERDAUUNG"

Die Zubereitung eines Nahrungsmittels
Vom sähen eines Apfelbaumes bis zur Verarbeitung als Apfelmus oder Saft.

Die Geschichte unserer Ernährung
Hier wird erklärt, was die Menschen jeweils in der Zeit der Alt-Indische Kultur (Milch), der Alt-Persischen Kultur (Getreide und Obst) und der jüngeren Geschichte (Salz) an Lebensmitteln zu sich genommen haben. Hier wird deutlich, dass es sich bei der Lehre dieser Kulturepochen (siehe auch: Geschichtsheft aus der 5. Klasse) nicht um eine einzelne Sage handelt, sondern um eine umfassende Weltanschauung, die fächerübergreifend unterrichtet wird. Was die Menschen in Atlantis aßen, kann man dem Heft leider nicht entnehmen.

"Schwer verdaulich?"
Auch Sinneseindrücke wie Photo, Film und Radio können schwer verdaulich sein. "'Vollwert Nahrung" für die Sinne sind z.B. künstlerische Betätigungen.

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden
"Einatmen, ausatmen, wachen und schlafen, Abbau und Aufbau, Tod und Leben - unser ganzes Dasein ist ein großer Atemrhythmus."

Weitere Dokumente aus dem Unterricht an der heutigen Freien Schule Albris

Freitag, 3. August 2012

"Sehen lassen gilt!" - Was wird an der freien Schule Albris unterrichtet?

Nach längerem Überlegen habe ich mich dazu entschlossen, meine alten Schulhefte von der damaligen Freien Waldorfschule Kempten zu digitalisieren und hier online zur Verfügung zu stellen. Getreu dem immer wieder genannten Satz der Freien Schule Albris "Sehen lassen gilt!" möchte ich auf diese Weise einen Einblick in den Unterricht und die dort vermittelten Inhalte geben. Ich bin der Meinung, dass der Unterricht doch etwas entscheidender für die Wahl einer Schule sein sollte, als die Gebäude, in denen der Unterricht stattfindet. Eine Meinung kann sich dazu dann jeder selber bilden.

Ich werde die Hefte nach und nach als PDF-Dateien online stellen und auf einer Übersichtsseite verlinken. Bei der Veröffentlichung werde ich nicht chronologisch vorgehen, denn ich möchte schon relativ bald Hefte von verschiedenen Jahrgängen zur Verfügung stellen.

Heute beginne ich mit einem Geschichtsheft aus der 5. Klasse, welches mit der Sage von Atlantis losgeht:

Geschichte: 5. Klasse, Freie Waldorfschule Kempten

Nachtrag (23:53 Uhr):
Die Hefte spiegeln selbstverständlich nur einen Teil des Unterrichts wieder. Bestimmte Inhalte wurden nur Mündlich vermittelt und wurden nicht schriftlich im Epochenheft verewigt. Diese "Mündlichen" Inhalte kann ich aus verschiedenen Gründen nicht mehr wiedergeben: natürlich habe ich vieles vergessen, manche Erinnerungen haben sich vielleicht im laufe der Zeit verändert, die Aussagekraft wäre nicht gegeben, da man mir berechtigter Weise die zwei ersten Gründe vorwerfen könnte.

Freitag, 20. Juli 2012

Meine Kritik an der Freien Schule Albris

In den letzten Artikeln, die ich hier im Blog über die Freie Schule Albris geschrieben habe, bin ich eigentlich nur am Rande auf die Punkte eingegangen, die ich kritisierenswürdig finde. Deshalb möchte ich hier nun die Kritikpunkte nennen, die ich persönlich an dieser Schule habe. Meine Meinung dazu hat sich gebildet durch meine knapp 10 jährige Schulzeit an der damaligen Freien Waldorfschule Kempten, durch Gespräche während und nach meinem Besuch dieser Schule mit Lehrern, Eltern und anderen Schülern sowie durch Berichte in den klassischen Medien und im Internet. Die Bewertung der Sachverhalte ist natürlich meine persönliche Einschätzung. So kritisierte beispielsweise der Bund der Freien Waldorfschulen in den 80 Jahren,dass es an der damaligen Freien Waldorfschule Kempten keinen Religionsunterricht gibt

Ich möchte durch die Darstellung meiner Beobachtungen insbesondere interessierten Eltern eine andere Sichtweise auf die Freie Schule Albris und ihre Spielstuben zeigen, als dies durch Darstellungen der Schule möglich ist. Deshalb hier meine Kritikpunkte im einzelnen:

Die Schule hält sich selbst nicht an die Ideale, die sie vorgibt umsetzen zu wollen


Einzelheiten dazu finden sich teilweise in den Folgenden Punkten.

Psychische Manipulation


An der Freien Schule Albris wird versucht Schüler in ihrer Meinung zu beeinflussen. Dies geschieht dadurch, dass immer wieder suggeriert wird, dass eine Aussage des Lehrers auch die eigene Meinung sei oder dass nur eine einzige logische Schlussfolgerung möglich sei. Wer den teilweise esoterischen Aussagen der Lehrer widerspricht wird als dumm und unbelehrbar hingestellt. Viele meiner Aufsätze, in denen nach meiner Meinung gefragt war, wurden von den Lehrern so lange inhaltlich „korrigiert“, bis darin die Meinung des Lehrers bzw. der Schule stand. Es fielen Sätze wie: „Das können Sie doch nicht ernst meinen!“* oder: „Das hatten wir aber anders besprochen.“* Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zum selbst erklärten Ziel, die Schüler zu selbstständig denkenden Menschen zu erziehen. Die Manipulation erstreckt sich meines Erachtens nicht nur auf Schüler, sondern auch auf Lehrer, Eltern und Paten (finanzielle Unterstützer der Schule). Unter anderem wurden Lehrer, Eltern und Paten durch das Einreden eines schlechten Gewissens dazu genötigt Geld „für die gute Sache“* zu spenden.

sektenähnliche Struktur der Freien Schule Albris


In der Hierarchie der Schule steht der Schulgründer Sigurd Böhm an der Spitze und entscheidet allein über die inhaltliche und pädagogische Richtung der Schule. Ihm ordnen sich der Schulleiter, alle Lehrer und sonstigen Mitarbeiter unter, wobei es auch innerhalb des Kollegiums noch hierarchische Strukturen gibt. Sigurd Böhm hält regelmäßig Vorträge für den sogenannten Studienkreis, in denen es so weit ich weiß um unterschiedliche esoterische, aber auch politische Themen geht. Um Sigurd Böhm und auch Rudolf Steiner wird ein regelrechter Personenkult praktiziert. In Zusammenhang mit der psychischen Manipulation macht diese Struktur auf mich den Eindruck einer Sekte, deren Mitglieder dies natürlich vehement abstreiten.

unwissenschaftliche Unterrichtsinhalte


An der Freien Schule Albris wird ein unwissenschaftlicher bzw. pseudowissenschaftlicher Unterricht praktiziert. Naturwissenschaftliche Vorgehensweisen werden bewusst abgelehnt. Die Fächer Physik und Chemie wurden auch vom zeitlichen Umfang sehr vernachlässigt. Hier einige Beispiele aus dem Fach Geschichte: In der Wiege der Menschheit, so hieß es, seien in Atlantis die ersten Menschen geschwebt. Der „Turmbau zu Babel“ wurde als geschichtliche Tatsache dargestellt. Im Geschichtsheft (Schulbücher gibt es an Waldorfschulen nicht) gibt es einen Eintrag mit der Überschrift „Wie es zum Krieg um Troja kam“. Darin geht es um Götter und Halbgötter. Darunter steht nicht etwa, dass es sich um eine Sage handelt, sondern: „Dies geschah etwa um das Jahr 1200 v. Chr. In der Morgenröte der Griechischen Geschichte.“

Ich meine, dass dieser Unterricht ein falsches Bild der Welt zeigt und deshalb an einer allgemeinbildenden Schule nichts verloren hat. Man könnte hierin auch ein Verstoß gegen Artikel 7 des Grundgesetzes sehen. Es steht ja jedem frei in seiner Freizeit an Engel, Götter oder, wie ich, an das Fliegende Spaghetti Monster zu glauben, aber im Unterricht sollte es meiner Meinung nach um die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse gehen. Das erreichen der staatlichen Abschlüsse wird durch diese Vorkenntnisse erheblich erschwert (Die Statistik, der Freien Schule Albris über die Abschlüsse ist dazu nicht aussagekräftig).

Einen relativ großen Anteil am Unterricht arbeiten die Schüler übrigens in Albris, um dort die Landschaft zu gestalten oder Gebäude zu bauen.

Abschottung nach Außen


Die Schule stellt sich als einzige Alternative dar, in dem alles andere schlecht gemacht wird. Da draußen gibt es die böse „Staatsschule“, die die Schüler nur auf das böse Alltagsleben vorbereiten will. Da gibt es andere Waldorfschulen, die aber Steiner nicht verstanden haben und deshalb eigentlich „Staatsschulen“ im „Waldorfgewand“ sind. Hier ein Zitat aus einem zusammenfassenden Protokoll über den Bericht von Schülern aus ihrem Sozialpraktikum:

„Im staatlichen Kindergarten ist eine sehr gespannte Stimmung, die Erzieherinnen schreien die Kinder an, die Kinder verschlagen sich gegenseitig, aber wahrscheinlich sind auch die Elternhäuser an der Lage mit „Schuld“.

Im Montessourikindergarten dürfen die Kinder machen was sie wollen, die Kindergärtnerinnen sind nur da, damit nichts passiert.

Im Waldorfkindergarten ist es ein lockeres miteinander Spielen, wo ein fester Rahmen besteht, der aber kein Zwang ist.“

(Mit Waldorfkindergarten ist hier eine der Spielstuben der damaligen Freien Waldorfschule Kempten gemeint)

Viele Schüler der Schule haben kaum Kontakt zu Schülern anderer Schulen. Solche Aussagen im Unterricht wären sonst wohl kaum möglich.

Durch den eigenen „Lehrplan“ der Schule wird es Schülern sehr erschwert an eine andere Schule zu wechseln.

Die Lehrer


Die Lehrer haben oder hatten zumindest teilweise keine oder keine ausreichende Ausbildung. In der sogenannten Jugendakademie wird Nachwuchs ausgebildet, aber noch viel ideologischer, als es die bisherigen Lehrer schon sind. Es kam in der Vergangenheit mehrmals zu Gewalt gegen Schüler. Dies waren zwar die Taten einzelner Lehrer, jedoch bin ich der Meinung, dass die Gewalt durch das System und die Hierarchie der Schule zumindest gefördert wird.

Die Schule mischt sich ins Privatleben ein


Immer wieder mischte sich die Schule in das Privatleben einzelner Schüler ein. So wurde es z.B. verboten auffällig bedruckte Kleidung oder Piercings zu tragen. Viele Schüler wurden, wie ich, aus fadenscheinigen Gründen von der Schule gegangen. Ich wurde vor die Wahl gestellt, ob ich ein Konzert meiner Band absage oder die Schule verlasse. Dies zeigt wieder, dass es der Schule nicht um Individualität geht. Auch den (immer wieder geforderten) künstlerischen Anspruch kann ich so nicht ernst nehmen.

Die Freie Schule Albris ist nicht kritikfähig


Kritik im Unterricht wird nieder geredet. Die meisten Schüler äußern ihre Kritik deshalb auch gar nicht offen. Hartnäckigere Kritiker werden unter vorgeschobenen Gründen rausgeworfen oder strukturell mundtot gemacht. Kommt Kritik von außen (wie zur Zeit im Internet), wird diese Kritik als das Werk vereinzelter Spinner und als Schmäh- bzw. Hetzkampagne dargestellt. Die Schule droht mit gerichtlichem Vorgehen oder veröffentlicht falsche Behauptungen (siehe: Es scheinen nur noch Lügen zu helfen).

„Es war doch nicht alles schlecht“*


Für die ganz hartnäckigen, die jetzt noch sagen werden „Es war doch bestimmt nicht alles schlecht“: Tom Cruise ist vielleicht auch ein guter Schauspieler. Und Hitler hat die Autobahn gebaut. Ja und? Soll ich das jetzt gegeneinander aufwiegen?

Aber ganz im ernst: auch wenn das staatliche Schulsystem viele Fehler hat, finde ich eigentlich kaum etwas, das an der Freien Schule Albris besser laufen würde. Die Gebäude in Albris sind schöner, dort fand zumindest zu meiner Zeit aber noch kein regulärer Unterricht statt. Es gibt keinen Religionsunterricht, dafür aber esoterische Inhalte in allen Fächern (da ziehe ich die stattliche Schule vor, wo man wenigstens in Ethik gehen kann). Ein wirklichen Vorteil gegenüber staatlichen Schulen würde ich darin sehen, dass die Freie Schule Albris eine Gesamtschule ist, wo Schüler nicht von vorneherein in Schubladen gesteckt werden. Leider schafft die Schule nicht diesem Anspruch gerecht zu werden. Deshalb schiebt sie Schüler, die im regulären Unterricht Probleme haben, in gesonderte Klassen ab, wo kaum noch Förderung stattfindet. Und zu den Lehrern: da gibt es, wie an jeder Schule, unsympathische genau wie sympathische, einige haben ja selbst ihre Kritik an der Schule.

Ich finde es traurig, wenn am Ende das einzig positive an dieser Schule die Gebäude sind, in denen (zukünftig) der Unterricht stattfindet.

*Kein wörtliches Zitat, welches jemand genau so gesagt hat. Es geht hier um eine sinngemäße Wiedergabe.


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Was sagt uns die Statistik über die Abschlüsse der Freien Schule Albris?

Auf der Website der Freien Schule Albris findet sich folgende Statistik über die absolvierten Abschlüsse von 2002 bis 2012:


Screenshot von  www.freie-schule-albris.de


Seit wann gibt es an stattlichen Schulen einen internen Abschluss? "Interner Abschluss" ist wohl nur ein schön geredetes "ohne Abschluss".

Woher stammen die Zahlen der öffentlichen Schulen? Und wie kann man nachprüfen, ob die zahlen der Freien Schule Albris stimmen? Aber auch wenn ich annehme, dass diese richtig sind, sind die Zahlen nicht vergleichbar. Die Schüler kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern. Eltern, die ihre Kinder an Privatschulen schicken, haben durchschnittlich ein höheres Einkommen und ihnen ist die Bildung ihrer Kinder wichtig. Gerade in "Waldorfhaushalten" kommt es häufiger vor, dass sich Mütter als Hausfrauen um die Kinder kümmeen und es wird weniger fern gesehen. Dies sind alles Gründe, die die Wahrscheinlichkeit für einen guten Abschluss erhöhen. Also kann die Freie Schule Albris nicht unbedingt beanspruchen, dass sie für den besseren Bildungserfolg verantwortlich ist. Weitere Infos zu solchen Problemen mit der Vergleichbarkeit findet man z.B. hier.

Außerdem sollte man bedenken, dass die Schüler an der freien Schule Albris alle Abschlüsse erst in der 13. Klasse machen. Das bedeutet, dass zumindest für Hauptschulabschluss und Mittlere Reife viel mehr Zeit zur Verfügung ist um den geforderten Stoff zu lernen, als an staatlichen Schulen.

Das größte Problem an dieser Statistik ist aber, dass die Freie Schule Albris die Möglichkeit hat, Schüler ohne besondere Gründen rauszuschmeißen. Ich habe mehrere Fälle mitbekommen, bei denen Schüler unter vorgeschobenen Gründen von der Schule gegangen wurden. Stellen die Lehrer beispielsweise  fest, dass ein Schüler Probleme mit dem Stoff für den angestrebten Abschluss hat, könnte die Schule den Schüler unter fadenscheinigen Gründen hinauswerfen. Schüler, die die Schule vorzeitig verlassen tauchen nicht in obiger Statistik auf, denn sie haben ja weder einen staatlich anerkannten, noch einen "Internen" Abschluss. An staatlichen Schulen können Schüler nur in Ausnahmefällen von der Schule fliegen, auf keinen Fall wegen schlechter Leistungen.

Die Frage bleibt also offen, was uns diese Statistik sagen will.

Ergänzung vom 21.07.2012:
Anscheinend tauchen in dieser Statistik nicht die Schüler auf, die in der Freien Heilpädagogischen Tagesstätte in Elmatried unterrichtet werden. Ein schöner Trick, um die Statistik schön aussehen zu lassen.

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Dienstag, 10. Juli 2012

Freie Schule Albris behauptet weiterhin unwahre Tatsachen

Mein Brief an die Freie Schule Albris ist bereits am 07. Juli angekommen. Ich habe einen Einlieferungsbeleg mit der Unterschrift des Geschäftsführers. Wie zu erwarten war wurden die falschen Behauptungen nicht von der Website entfernt. Auch eine Antwort habe ich bisher nicht bekommen.

In meinen Augen ist die Freie Schule Albris unfähig mit Kritik umzugehen. Es wird geprüft, ob man juristisch gegen die Kritiker vorgehen kann und es werden falsche Tatsachen über die Kritiker behauptet. Aber bisher konnte keiner der Vorwürfe aus dem Weg geräumt werden obwohl die Schule versucht alles herunterzuspielen.

Ich frage mich, warum ich eigentlich so sachlich schreibe. Warum erzähle ich hier eigentlich nicht irgendwelche Lügenmärchen über den Geschäftsführer und den Vorstand und den Gründer der Freien Schule Albris - der Überschrift angemessen*? Ach richtig - weil es mir darum geht über einen Misstand aufzuklären und nicht um irgendwem persönlich zu schaden.

Aber mehr zu meiner Motivation die Freie Schule Albris zu kritisieren hier in den nächsten Tagen.

Nachtrag vom 18.07.2012:
Inzwischen hat die Freie Schule Albris den Text über mich auf ihrer Website minimal geändert. Dadurch gewann der Text allerdings leider nicht an Wahrheitsgehalt. Statt einem Poetry-Wettbewerb ist jetzt die Rede von einer Band-Probe. Die falsche Behauptung, dass ich für die Veranstaltung (welche auch immer) um Befreiung vom Unterricht gebeten habe, wurde nicht geändert.
Zum Beispiel hatten wir einem im Internet gegen die Freie Schule Albris bloggenden ehemaligen Schüler seinerzeit wiederholt die Beurlaubung von laufenden Schulverpflichtungen wegen Proben seiner Hobby-Band versagt. Er hatte sich dann aber für seine Teilnahme und damit gegen die Schule entschieden. Die Gegenseitigkeit solchen Respekts ist dann wohl doch eine Frage der Reife.
(Hervorhebung von mir)

Gestern bekam ich nun auch noch einen Brief von der Freien Schule Albris. Darin wird unter anderem auf die Änderung der Website hingewiesen (Ob die Änderung auch der Allgäuer Zeitung mitgeteilt wurde wird nicht erwähnt). Komischerweise ist aber im Brief nicht die Rede von einer Probe, sondern von einem Konzert (was ja richtig wäre). Allerdings ist der Brief in diesem Punkt so schwammig formuliert, dass er unterschiedlich interpretiert werden kann. Des weiteren enthält der Brief ein Gesprächsangebot. Ob und wie ich darauf eingehen werde weiß ich momentan noch nicht.

*Anmerkung: Die Überschrift dieses Posts habe ich geändert. Die vorherige Überschrift war: "Freie Schule Albris wurde von einem Alien gegründet"

Vergleiche auch:

Es scheinen nur noch Lügen zu helfen


Mehr zum Thema Freie Schule Albris

Samstag, 7. Juli 2012

An alle Ehemaligen der Freien Schule Albris

In den Kommentaren zum Thema Freie Schule Albris (hier und hier) kann man sehen, dass es doch einige gibt, die Kritik an der Schule zu äußern haben. Es handelt sich also nicht um einige wenige, die im Internet ihren "persönlichen Frust" raus lassen, sondern viele Ehemalige, die das System der freien Schule Albris kritisieren. Damit dies auch in der Öffentlichkeit und von der Schule so wahrgenommen wird wäre es hilfreich, wenn die ehemaligen Schüler / Lehrer / Eltern auch ihre Meinung schreiben (anonym oder unter dem echten Namen). Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten und ich würde auch anbieten Beiträge hier im Blog zu veröffentlichen, solange darin keine falschen Behauptungen, Beleidigungen usw. vorhanden sind.

Ich freue mich über Emails an info@lukas-boehnlein.de


Mehr zum Thema Freie Schule Albris

Freitag, 6. Juli 2012

Es scheinen nur noch Lügen zu helfen

Die Freie Schule Albris wirft ihren Kritikern vor, dass diese ihre Kritik anonym äußern.
Wie das in der virtuellen Welt des Internet so ist: Alle diese Äußerungen bleiben anonym. Als ob die Äußerung von Meinungen hierzulande verboten wäre.
Meines Wissens bin ich der einzige, der Kritik gegen die Freie Schule Albris unter vollem Namen veröffentlicht. Nun verbreitet die Schule auf ihrer Website falsche Behauptungen über mich. Dies hat sie anscheinend inzwischen nötig, um die Kritik abzuwerten. Damit bestätigt die Schule, dass die anonymen Kritiker zu recht anonym sind. Wer von seinen Kritikern Fairness fordert sollte selbst fair bleiben. Ich habe heute einen Brief an die Schule geschrieben, den ich hier als Gegendarstellung in Auszügen veröffentlichen möchte. An die Mitleser von der Freien Schule Albris: Sie bekommen den Brief noch in den nächsten Tagen als Einschreiben.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Auf Ihrer Internetpräsenz haben Sie einen Brief der Schulleitungskonferenz an Herrn XYZ von der Allgäuer Zeitung veröffentlicht (...)
In diesem Brief schreibt die Schulleitungskonferenz folgendes:
„Andererseits gibt es sicher Betroffene, die in den vergangenen Jahrzehnten an
der Freien Schule Albris auch wohl negativ bewertete Erlebnisse hatten. Einem
im Internet gegen die Freie Schule Albris bloggenden ehemaligen Schüler hatten
wir zum Beispiel die Beurlaubung von laufenden Schulverpflichtungen zur
wiederholten Teilnahme an einem Poetry-Wettbewerb versagt. Er hat sich dann
für seine Teilnahme und damit gegen die Schule entschieden. Solche
Entscheidungen müssen wir respektieren. Die Gegenseitigkeit solchen Respekts
ist dann wohl doch eine Frage der Reife.“
Da ich der einzige ehemalige Schüler Ihrer Schule bin, der aktuell kritisch und nicht anonym über Ihre Schule bloggt, kann ich wohl davon ausgehen, dass ich in dem Text gemeint sein soll. Falls ich gemeint bin, fordere ich Sie dazu auf, diesen Absatz überall wo er veröffentlicht wurde ersatzlos zu streichen und auch der Allgäuer Zeitung eine geänderte Fassung zukommen zu lassen, da er erstens unwahr ist und zweitens gegen mein Recht auf Informelle Selbstbestimmung verstößt. Ich verbitte es mir, dass Sie unwahre Behauptungen über mich verbreiten, die dazu geeignet sind meine Ruf zu schädigen und dazu dienen die Kritik an Ihrer Institution als ungerechtfertigt ab zu tun.
Der Text entspricht in folgenden Punkten nicht der Wahrheit:
  • Es handelte sich nur um eine einzige Veranstaltung.
  • Diese Veranstaltung war kein Poetry-Wettbewerb, sondern ein Konzert meiner Band Homosapienz
  • Dieses Konzert war nicht während laufenden Schulverpflichtungen, sondern Freitag Abend um 20 Uhr. Deshalb habe ich natürlich auch nie um eine Beurlaubung gebeten, weil ich für private Unternehmungen in meiner Freizeit nicht um Erlaubnis bitten muss. 
  • Ihr Text erweckt den Eindruck, dieser Vorfall wäre der Grund dafür, dass ich kritisch über Ihre Schule schreibe. Dies ist nicht der Fall, höchstens einer von vielen Kritikpunkten. Die inhaltlichen Auseinandersetzungen zwischen Lehrern Ihrer Schule und mir begannen schon einige Jahre vor diesem Vorfall.

(...) Sollte in obigem Text jemand anderes gemeint sein, dann fordere ich Sie zumindest dazu auf, den Text so zu formulieren, dass keine Verwechslung mit mir möglich ist. So wie der Text momentan formuliert ist kann jeder über eine Suchmaschine darauf kommen, dass ich gemeint sein muss.
Mit freundlichen Grüßen,
Lukas Böhnlein
PS.: Ich behalte mir vor den Wortlaut dieses Schreibens öffentlich zu machen.

Schriftliche* Beweise für meine Fassung, die ich hier im Blog veröffentlichen könnte, gibt es nicht. Wer nun recht hat, oder ob die "Wahrheit irgendwo in der Mitte" liegt, mag jeder selbst überlegen. Als Gedankenanregung: Man könnte ja mal recherchieren, welche Poetry-Wettbewerbe es 2005 in Kempten gab, die Vormittags oder am frühern Nachmittag stattfanden.

Ich behalte mir vor diesen Artikel jederzeit wieder zu löschen oder Teile zu entfernen, da er persönliche Details über mich enthält.

Die kursiven Wörter in diesem Absatz wurden von mir am 19.07.2012 ergänzt.

Siehe auch: Freie Schule Albris behauptet weiterhin unwahre Tatsachen


Mehr zum Thema Freie Schule Albris

Samstag, 23. Juni 2012

Warum eigentlich nicht eine eigene Privatschule gründen?


Ich finde es sehr begrüßenswert, dass wir in einem freien Land leben, wo jeder machen kann was er will (oder so ähnlich). Unter anderem im Bildungsbereich herrscht eine große und sinnfreie Auswahl an Schulen, Akademien und Universitäten. Ich selbst war einmal Schüler der Freien Schule Albris, welche sich damals noch Waldorfschule nannte. Das Grundgesetz garantiert laut Artikel 7 Absatz 4 jedem die Gründung einer Privatschule. Dort werden zwar Bedingungen genannt, die aber in der Praxis sehr weit ausgelegt werden:
„Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.“
Deshalb bin ich nun auf die Idee gekommen, meine eigene Schule zu gründen. Damit will ich die vielen guten Ideen, die andere schon hatten, vereinen zu einer perfekten Schule, die bisher noch fehlt in der pluralistischen deutschen Schullandschaft. Ich habe ein eigenes pädagogisches Konzept entwickelt. Zu meinen Vorstellungen habe ich jeweils passende Präzedenzfälle gefunden, so dass einer Genehmigung als private Ersatzschule durch das Kultusministerium eigentlich nichts im Wege stehen sollte.

Der Lehrplan:


Die Erziehung soll sich streng nach dem Glauben an das Fliegende Spaghetti Monster richten. Ich bin ein Anhänger dieser Glaubensrichtung, die 2005 durch den Propheten Bobby Henderson gegründet wurde. Die Welt wurde vom FSM in 5 Tagen erschaffen. Alle Gläubigen erwartet nach dem Tod ein Biervulkan und eine Stripperfabrik. Deshalb werden im Religionsunterricht die Glaubensinhalte des Pastafarianismus unterrichtet. Dies entspricht der Religionsfreiheit und sollte der staatlichen Auffassung von wissenschaftlichem Unterricht nicht widersprechen: andere Schulen lehren z.B. die Auferstehung eines langhaarigen Mannes, nachdem er gekreuzigt wurde. An Waldorfschulen wird gelehrt, dass wir Menschen von fliegenden Atlantikern abstammen. Dem möchte ich nun eine Schule gegenüberstellen, wo gelehrt wird, wie das Universum wirklich entstanden ist, nämlich durch das FSM. Jeden Freitag ist frei, weil dies ein wichtiger Feiertag der Pastafaris ist.

Quelle: http://www.venganza.org


Ansonsten wird meine Weltanschauung nicht im Unterricht gelehrt, sondern wird nur die Form des Unterrichtes bestimmen. So wird dies auch an Waldorfschulen gemacht. Dort sind die esoterischen Inhalte der Anthroposophie von Rudolf Steiner auch nur teilweise Bestandteil des Unterrichtes, seine Theorie bestimmt aber die Art und Weise, wann und wie bestimmte Inhalte gelehrt werden.

Die Inhalte, die genau den staatlichen Lehrplänen entsprechen, werden mit der Methode der Homöopathie unterrichtet. Es gibt viele Hochschulen in Deutschland, an denen Homöopathie gelehrt wird, angesehen und staatlich annerkannt. In der Homöopathie wird davon ausgegangen, dass Wasser ein Gedächtnis hat und damit Informationen übertragen werden können. Deshalb wird an meiner Schule kein Unterricht im klassischen Sinne stattfinden. Vielmehr werden für die Schüler Spaghetti gekocht. Die Besonderheit: In das Nudelwasser wurden vorher die Schulbücher eingetaucht, so dass das Wasser die Informationen aufnehmen kann. Durch die göttlichen Nudeln kann das Wissen direkt und ohne Umwege in die Gehirne der Schüler gelangen.

Die Lehrkräfte


Eine besondere Ausbildung soll nicht zwingend vorausgesetzt werden, weil es eigentlich vollkommen ausreicht, wenn man Spaghetti kochen kann. Dies klingt zwar, als sei es unvereinbar mit dem Grundgesetz (s. Oben), aber das ist gängige Praxis an Waldorfschulen, die in einem eigenen Kurs in Singen und Eurythmie ausgebildet werden (s. Video von Frontal21). Auch die Freie Schule Albris beschäftigt Lehrer, die keinerlei Ausbildung haben, dies scheint für das Kultusministerium kein Problem zu sein (Nur die Gewalt an der Schule wurde vom Kultusministerium missbilligt). Also sollte dies auch bei meiner Schule kein Problem sein, so dass ich auf eine schnelle Genehmigung hoffen kann.

Die Finanzierung


Meine Schule soll hauptsächlich durch die staatlichen Zuschüsse, Schulgeld und Spenden finanziert werden. Die Spendenbereitschaft der Eltern und Lehrer werde ich dadurch erhöhen, dass ich ihnen ein schlechtes Gewissen einrede, wenn sie nur wenig oder nichts spenden. Außerdem sollen die Schüler selbst ihr Schulgebäude bauen, dadurch wird viel Geld gespart. Diese Formen der Finanzierung werden unter anderem an der Freien Schule Albris praktiziert. Dies scheint also vollkommen ok zu sein. Um „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht“ zu fördern bieten wir den Eltern, die sich das Schulgeld nicht leisten können, folgendes an: Sie dürfen unentgeltlich beim Bau des Schulhauses oder als Lehrer Mitarbeiten und müssen dann kein Schulgeld zahlen. Damit wären wir besser als jede andere Privatschule, die für jeden Schüler, ob arm oder reich, Schulgeld verlangt.

Schüler anmelden


Wer nun Interesse bekommen hat an meinem Schulkonzept kann sich als Lehrer bewerben (Voraussetzung: Nudeln kochen können!) oder sein Kind anmelden (Vorbehaltlich der Genehmigung durch das Kultusministerium, was aber nur eine noch reine Formsache sein dürfte).

Kontakt: anmeldung-schule@lukas-boehnlein.de

Mittwoch, 2. November 2011

Verein Deutsche Sprache: Retter der Kultur oder plumper Antiamerikanismus?

Immer wieder stolpern wir über seltsame Anglizismen, vor allem in der Werbung. So wird zum Beispiel in folgendem Beispiel ein Rucksack als "Bodybag" bezeichnet, was auf Englisch Leichensack bedeutet (es kann aber auch eine Bauch- oder Gürteltasche gemeint sein).

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Der Verein Deutsche Sprache will deshalb "der Anglisierung der deutschen Sprache entgegentreten und die Menschen in Deutschland an den Wert und die Schönheit ihrer Muttersprache erinnern". Der 1997 gegründete Verein richtet sich dabei aber nicht allein gegen unverständliches Werbedeutsch, sondern gegen fast alle neueren Einflüsse der Englischen Sprache. Ein fairer Trainer wäre also akzeptabel, solange er keine public relations betreibt.

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) veröffentlicht eine Wortliste mit Anglizismen und vermeintlichen Anglizismen mit jeweils gegenübergestellten deutschen Entsprechungen. Die Übersetzungen variieren sehr stark in der Qualität. Nach der Wortliste wäre  Rap das gleiche wie Sprechgesang und somit nicht mehr sprachlich zu unterscheiden von mittelalterlichen Formen des Sprechgesangs, wie zum Beispiel dem 400 Jahre alten Rezitativ. Statt E-Mails würden wir Netzbriefe oder Netzpost verschicken. Viele der vorgeschlagenen deutschen Entsprechungen sind umständlich, unverständlich oder falsch beziehungsweise entsprechen sie nur unter bestimmten Umständen dem Englischen Begriff. Natürlich gibt es auch Begriffe, die man im Prinzip synonym verwenden kann. Form und Inhalt der Sprache sind aber untrennbar: Es macht einen Unterschied, ob ich von den "coolen kids" oder den "lässigen Kindern" spreche.

Eine Sprache ist genau wie unsere Gesellschaft dauernd in Bewegung. Es ist aussichtslos und vor allem rückschrittlich daran etwas ändern zu wollen. Sprachen vermischen und verändern sich seit dem es sie gibt, heute bei einer globalisierten Welt natürlich um so mehr. Vor hundert Jahren gab es noch kein Netzverbund (oder auch Internet, wie manche es nennen würden), deshalb gab es auch noch kein Wort dafür. Aber nicht nur technische Neuerungen verändern eine Sprache, sondern auch veränderte kulturelle und gesellschaftliche Normen. Warum sollen wir in Zukunft noch "Grüß Gott!" sagen, wenn die Bedeutung von Religion immer mehr abnimmt?

Sind die Forderungen des VDS nur unfortschrittlich und von Gestern oder vielleicht sogar nationalistisch? Dazu heißt es auf der Website:
Wir sind überparteilich und arbeiten mit anderen europäischen Organisationen zusammen, sofern diese die Erhaltung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt in Europa zum Ziel haben und keine nationalistischen Zwecke verfolgen.
Dies mag auf den Großteil der Mitglieder zutreffen, leider aber nicht auf alle. Eines der 34 Tausend Mitglieder ist Erika Steinbach, die Präsidentin des rechtsgerichteten revanchistischen Bundes der Vertriebenen. Die populistischen Forderungen des VDS sind Wasser auf die Mühlen von Nationalisten und Antiamerikanisten.

Zum Abschluss ein Video aus dem Sächsischen Landtag. Die Forderung der NPD Fraktion forderte dort "Deutsch statt Denglisch! in den Verwaltungen"- hier die Antwort eine Grünen-Politikers:



Mittwoch, 26. Oktober 2011

Dieser Blog

Hallo lieber Leser,

schön dass du den Weg zu meinem Blog gefunden hast. Leider wirst du bis jetzt noch nicht viel interessantes zum Lesen finden, da dies der erste Blog-Eintrag ist. Es werden aber Texte zu verschiedenen Themen folgen.

Ich bin selbst gespannt, wohin mich dieser Blog thematisch führen wird. Ich habe vor über Themen wie Musik, Gesellschaft und Politik, Filme, Kurioses und mehr zu schreiben. Vielleicht werde ich mich später etwas mehr auf ein Thema spezialisieren.

Viel Spaß also in Zukunft mit diesem Blog!

Lukas Böhnlein